Donnerstag, 30.05.2019

Nun waren wir zu zweit unterwegs. Drimmelen verliessen wir gegen Mittag und fuhren Richtung Westen in das Hollandsch Diep bis nach Willemstad. Willemstad ist ein schönes Festungs- und Hafenstädtchen. Die Festung und der alte Stadtkern ist von Wassergräben umgeben, die einen Stern bilden. Das Städtchen ist sehr gepflegt, lebendig und pulsiert. Es hat uns sehr gut hier gefallen. Auch unser Liegeplatz im Gemeindehafen ist idyllisch gelegen. Wir bleiben für 2 Nächte und erkunden die Umgebung zu Fuss und mit den Velos.

Freitag, 31.05.2019

Heute war Wander-Tag. Wir sind zu den Volkerak-Sluizen gewandert, welche wir dann 3 Tage später selber passieren werden. Die Volkerak-Schleusen sind mächtig und bestehen aus 3 Berufsverkehrsschleusen und einer Yachtschleuse. 

Diese Schleusen gehören u.a. zum komplexen und intelligenten Flutsicherungssystem des Delta-Plans. Alles begann mit der grossen Flutkatastrophe vom 01.02.1953. Ein orkanartiger Nordwester presste riesige Wassermassen an die Küste bis die Deiche dem Druck nicht mehr standhielten. 1835 Menschen sind in jener Nacht ertrunken und Hunderttausende wurden obdachlos. Das Land ein Chaos von Wasser und Schlamm. So entstand der Delta-Plan (siehe unten Foto 3 + 4). Von 1959 bis 1997 wurden insgesamt 15 Bauwerke als Deltaprojekt realisiert - eine technische Meisterleistung. Ein ganzes System von neuen Dämmen, Deichen und Schleusen. Nur der Nieuwe Waterweg (Rotterdam zur Nordsee) und die Westschelde (Antwerpen zur Nordsee) blieben offen. Sie waren nötig, damit Seeschiffe die Häfen von Rotterdam und Antwerpen anfahren konnten.

Wir Schweizer bauen gigantische Werke in den Alpen und die Holländer ringen mit ihren Wasserbauten dem Meer Land ab und gleichzeitig schützen sie die Bevölkerung vor Flutkatastrophen.

Samstag, 01.06.2019

Wir verliessen Willemstad und damit die Hollandsch Diep. Die Reise ging weiter westwärts und unter der Haringvliet-Brücke durch, hinein ins Haringvliet. Die Insel Tiengemeten passierten wir nördlich und die Insel Slijkplaat liessen wir nördlich liegen. Schon bald hatten wir unser Ziel vor Augen - Hellevoetsluis. Es gibt 4 Häfen in Hellevoetsluis. Wir haben uns für die Marina Cape Helius entschieden. Auch hier bleiben wir für 2 Nächte. Rund um den Hafen ist eine grosse Ferienanlage mit Hotel und Ferienhäuser entstanden. Die Architektur erinnert etwas an Schweden. Auch Hellevoetsluis ist/war eine Festungsstadt.

Sonntag, 02.06.2019

Heute haben wir unsere Velos hervorgeholt und sind los geradelt. Wir wollten das Bauwerk "Haringvlietsluizen (Spuisluizen)" ansehen, welches auch in den Delta-Plan gehört. Das ist keine Schleuse für Schiffe, sondern ein Tide-Sperrwerk. Es besteht aus 17 je 62 Meter breiten Durchlässen. Der Damm ist 5 Kilometer lang und 56 Meter breit. Es dient zur Spülung des Haringvliets. Am Ende des Damms kamen wir in Stellendam an, wo wir zum Hafen runterfuhren und uns eine Erfrischung genehmigten. Wie so oft in Holland hat uns der Wind während der ganzen Fahrt begleitet. Auf der Heimfahrt haben wir noch einen Halt am Strand gemacht und haben dem Treiben der Wochenendler zu gesehen. Auch unsere Füsse durften etwas vom kühlen Nass abbekommen. Es war ein sehr interessanter Ausflug.

Montag, 03.06.2019

Die heutige Route war von Hellevoetsluis nach Benedensas im Volkerak. D.h. wir fuhren bis nach der Haringvliet-Brücke die gleiche Strecke zurück wie am 01.06.2019. Einziger Unterschied war, dass wir dieses Mal die Insel Tiengemeten südlich passierten. Nach der Haringvliet-Brücke hielten wir uns rechts und fuhren zu den Volkerak-Schleusen. Hier mussten wir nur kurz warten und schon durften wir in die Schleuse einfahren. Danach befanden wir uns im Noord Volkerak. Nur ein paar Seemeilen und wir bogen links ab in das Steenbergsche Vliet nach Benedensas. Es ist immer wieder interessant, wie man von grossen Wasserstrassen in Seitenarme abbiegen kann und man sich dann in der reinsten Natur und Abgeschiedenheit wiederfindet. So auch die Fahrt nach Benedensas. Zuerst führte ein kleiner Kanal ins Landesinnere und danach kam eine offenstehende Schleuse, ein Zwischenbecken und dann nochmals eine offenstehende Schleuse. Die Schleusen sahen richtig alt aus. Und weil alles sehr eng ist, wird der Verkehr mit Ampeln gesteuert. Denn ein Kreuzen wäre nicht möglich. Nun waren wir im Steenbergsche Vliet resp. im Hafen De Vlije. Der Hafenwart war nicht anwesend aber eine nette, ältere Dame von einem Nachbarsschiff, die uns alles gezeigt und erklärt hat. Vieles auf Holländisch und wir haben es sogar verstanden. Hier haben wir eine ruhige Nacht verbracht.

Dienstag, 04.06.2019

Wir verliessen Benedensas und fuhren wieder auf das Noord Volkerak hinaus, vorbei am Abzweiger Schelde-Rijn-Kanal und hielten auf die Krammer-Schleusen zu. Auch hier gibt es Schleusen für den Berufsverkehr oder für die Freizeitboote. Also hinein in die Jachtensluis und festmachen. Der Schleusenvorgang dauerte etwas länger, da während des Vorgangs ein kompletter Wasseraustausch stattfand. Dafür gibt es neben den Schleusen entsprechende Speicherbecken. Damit soll verhindert werden, dass Salzwasser aus der Oosterschelde in den Volkerak resp. Süsswasser aus Volkerak in die Oosterschelde gelangt - ein durchdachtes System (siehe unten eingefügten Text). Die Ausfahrt danach hinaus in die Oosterschelde resp. Mastgat Zijpe war "kurvig". Schon nach ein paar Seemeilen und vorbei an Muschelfarmen (siehe Bilder Nr. 9+10) hielten wir uns nordwestlich auf Bruinisse zu. Und schon wartete die nächste Schleusung auf uns. Es ging vorbei am Fischerhafen und hinein in die Grevelingensluis. Danach waren wir im Grevelingen Meer, welches salzhaltig ist. Die Red Snapper tuckerte gemütlich weiter nach Nordwesten. Auf halber Höhe der Insel Veermansplaat änderten wir den Kurs auf Westen und fuhren an den Inseln Stampersplaat und "Dwars in den Weg" vorbei. Kaum hatten wir die Insel "Dwars in den Weg" passiert, mussten wir nach Süden abdrehen und fuhren nach Brouwershaven. Der Hafenmeister thronte oberhalb der Einfahrt und hatte alles fest im Griff. Kaum waren wir in der Passage, wurden wir auch schon per Lautsprecher nach unserem Anliegen gefragt (Tagestourist oder mit Übernachtung). Der Matrose, welcher natürlich bereit zum Festmachen auf dem Bug stand, brachte unsere Wünsche per Gegensprechanlage an. Und schon wies uns der Hafenmeister einen geeigneten Platz zu. Ganz praktische Sache. In Brouwershaven blieben wir für 2 Nächte.

Das Trennen von Süß- und Salzwasser

Beim Entwurf der Schleusen nutze man die Tatsache, das Salzwasser eine höhere Dichte besitzt als Süßwasser (1,03 kg/dm3 im Vergleich mit 1,00 kg/dm3). Beim Mengen von Süß- und Salzwasser sackt das Salzwasser nach unten. Zum Beispiel: Ein Schiff kommt aus der Oosterschelde in die Schleuse. Die Tore schließen sich nach dem Schiff. Danach wird das Salzwasser, das sich unten befindet weggepumpt. An der Oberseite des Wassers wird Süßwasser hinzugefügt. Wenn der Wasserpegel weit genug gesunken ist und der salzige Teil weggepumpt ist, öffnet sich die Schleuse. Wenn ein Schiff aus der Volkerak in die Schleuse fährt, passiert ungefähr dasselbe: Erstmal in der Schleuse angekommen, schließen sich die Schleusentore hinter dem Schiff. Das Süßwasser wird an der Oberseite zum großen Teil weggepumpt, während man an der Unterseite Salzwasser hinzufügt. Wenn der Pegel gleich ist mit dem in der Oosterschelde, werden die Schleusentore geöffnet. Trotzdem kann nicht verhindert werden, dass jedes Mal ein kleiner Teil Süßwasser in die Oosterschelde kommt. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf das Salzwassermilieu der Oosterschelde.  

Mittwoch, 05.06.2019

Es war Velotag. Wir fuhren mit den Fahrräder von Brouwershaven nach Süden in die Ortschaft Zierikzee. Markus hat gelesen, dass das ein beliebtes Ziel für Freizeitkapitäne ist. Und da wir die Oosterschelde - Zierikzee liegt in der Oosterschelde - nicht befahren werden, wählten wir eben den Landweg. Und wirklich, in Zierikzee war ein buntes Treiben und auf dem Marktplatz war auch Markt. Wir haben uns mitreissen lassen und die Atmosphäre sehr genossen. Mit einigen Einkäufen kehrten wir gegen den späten Nachmittag nach Brouwershaven zurück. Zum Abendessen gingen wir in eine Pizzeria. Die Pizzas waren sehr gut, aber viel zu gross. Beide haben etwa nur die Hälfte gegessen. Also liessen wir uns den Rest einpacken und so war auch schon für das Abendessen vom nächsten Tag vorgesorgt. Praktisch, praktisch.

Donnerstag, 06.06.2019

Und es geht weiter auf dem Grevelingen Meer, Tschüss Brouwershaven. Es ging wieder an der Insel "Dwars in den Weg" vorbei, aber dieses Mal hielten wir Richtung Norden. Wie von den Wetterfröschen vorhergesagt, frischte der Wind auf. Da unsere Fahrt aber nur von kurzer Dauer war und wir den Wind zudem von hinten hatten, überhaupt kein Problem. Nachdem wir die Insel Ossehoek südlich passierten, lag auch schon der Hafen von Port Zélande vor uns. Im Hafenbecken hat sich der Kapitän beim Hafenmeister über Funk gemeldet und um Zuweisung eines Gästeplatzes für 3 Nächte gebeten. Flott wurde uns der Steg L2 und Platz 3 zugewiesen. Port Zélande wurde auf der Kabbelaarsbank in einem ehemaligen Werkhafen nach dem Vorbild des französischen Port Grimaud nachgebaut. Die Hafenanlage ist riesig, mit allem Drum und Dran. Die Gebäude hinter den Stegen lassen den Charme der Côte d'Azur erahnen. Zu Port Zélande gehört auch eine grosse Ferienhaus-Siedlung und ein Freizeit-/Shopping-Center mit subtropischem Flair - inkl, Hallenbad, Bowling, diversen Restaurants, Shops, Supermarkt, etc. Vom Hafen ist es nicht weit zu den Dünen und zur Nordsee. Gleich am ersten Abend - nach dem Genuss der aufgewärmten Pizzas vom Vortag - haben wir dem Strand noch Besuch abgestattet. Und auf dem Weg dorthin ist uns wieder einmal mehr aufgefallen, wie stark die Holländer im Deichbau sind. Und gerade diese Deiche bieten vielen Kleintieren auch Schutz und Lebensraum. So haben wir ganz viele Hasen gesehen.

Freitag, 07.06.2019, bis Sonntag, 09.06.2019

Wie bereits erwähnt wollten wir 3 Nächte in Port Zélande bleiben. Aber da wir während 2 Tagen richtig starken Wind (8 Bft = ca. 75 km/h) hatten und somit Ausflüge mit dem Fahrrad oder auch zu Fuss nicht machbar resp. angenehm waren, haben wir nach der 3. Nacht spontan entschieden, noch eine Nacht anzuhängen. Über Funk konnten wir auch Wetterwarnungen von der Netherlands Coastguard für die Schifffahrt auf der Nordsee mithören. Am 4. Tag konnten wir endlich die Fahrräder hervorholen und sind damit nach Renesse auf Schouwen-Duiveland gefahren. Unser Schiffsnachbar hat uns erzählt, dass wir beim Deichdurchbruch stoppen sollen. Da sähe man Seehunde in der Strömung spielen. Und tatsächlich, es hatte welche dort. Es war wunderschön, sie zu beobachten. Dann ging es weiter mit der Tour. Renesse ist ein Seebad an der Nordseeküste. Da war vielleicht was los. Schon unterwegs kamen uns viele Leute mit ganzen Strandausrüstungen entgegen. Alle wollten nach den windigen Tagen endlich raus und die Sonne geniessen. Mit den Velos mussten wir uns den Weg richtig suchen und uns durch die Menschen schlängeln. In Renesse angekommen sah es nicht besser aus. Es war Markt und es herrschte ein buntes Treiben. Für den Kapitän fast zu viel. Also hat er sich auf einer Terrasse mit einer Erfrischung bequem gemacht und der Matrose ging etwas Shoppen. Irgendwann haben wir die Heimreise angetreten, haben in einer Strand-Bar einen Erfrischungsstop eingelegt und sind zurück zur Red Snapper gefahren. Als Abschluss des Tages sind wir in das Yachtclub-Restaurant Abendessen gegangen. Es war sehr fein.

Montag, 10.06.2019

Genug ist genug. Jetzt geht es weiter und zwar nach Bruinisse. Nach der Hafenausfahrt von Port Zélande fuhren wir zuerst nordöstlich gegen Ouddorp, nördlich vorbei an der Insel Hompelvoet. Danach drehten wir auf Südost und östlich vorbei an der Insel Veermansplaat. Und nun fuhren wir Kurs Süd bis wir im Jachthaven Bruinisse waren. In Bruinisse blieben wir für eine Nacht. Der Hafen hat alles was man braucht - einen Supermarkt, Schiffsshop, Restaurants, Spielplätze, etc. Das Sanitärhaus nennen sie Badhuis (Badhaus), welches sehr gut eingerichtet, grosszügig und sauber ist. Montag ist nun der letzte Tag, an welchem die Red Snapper in Salzwasser navigiert ist. 

Dienstag, 11.06.2019

Heute ist Schleusentag und das Ziel ist Willemstad. Gleich bei Bruinisse passierten wir die Schleuse Grevelingensluis. Nach ca. 2.5 sm ging's hinein in die Krammersluis. Nun waren wir wieder im Volkerak und mit den grossen Schiffen unterwegs. Nach der Schleuse tuckerten wir an Oude Tonge vorbei und hinein ins Noord Volkerak bis zu den Schleusen Volkerak. Hinaus aus der Schleuse und hinein ins Hollandsch Diep. In Willemstad haben wir festgemacht und so hat sich der Kreis unserer Reise vom 29.05.2019 bis 11.06.2019 geschlossen. Während der heutigen Fahrt hat die Red Snapper ihre 6'000-ste Seemeile zurückgelegt und zwar genau um 13.15 Uhr. 6'000 Seemeilen und 1'042 Motorstunden in 7.5 Saisons. Nicht schlecht, oder?! In Willemstad bleiben wir für 2 Nächte. Wir bekommen nämlich morgen Besuch von unseren Freunden Daniela und Christoph. Sie werden bis Samstag unsere Wegbegleiter sein. Die Red Snapper wurde auf Vordermann gebracht und von Salz und Sand befreit. 

Mittwoch, 12.06.2019

Es hat angefangen zu regnen und nicht wenig. Also ist Büro- und Lese-Zeit bis wir Daniela und Christoph in Empfang nehmen dürfen. Unsere Reise hat mit einem Abendessen bei ihnen in Lausen angefangen und nun kommen sie zu uns.