21.08.2018
Adieu Insel Bornholm. Es war wunderschön!
Wir haben um 11.00 Uhr Ronne auf der Insel Bornholm verlassen und haben fast genau mit südwestlichen Kurs auf die Insel Rügen gehalten. Nach ca. 6.5 Std sind wir in Sassnitz angekommen und haben im Stadthafen festgemacht. Die Reise ging recht gut, wobei wir Wind und Wellen von Nordnordwest hatten. D.h. es hat uns wieder mal seitlich geschaukelt, in nautischer Sprache gerollt. Zwischendurch hatten wir auch höhere Wellen und bei einer von diesen hat unser Tisch im offenen Cockpit doch glatt einen halben Salto hingelegt. Er stand nicht mehr, sondern lag auf dem Tischblatt. Bis anhin mussten wir ihn nur gegen Rutschen sichern, dass er auch Kippen könnte, haben wir schlicht nicht gedacht. Wir haben ihn dann so liegen gelassen, er wollte es ja so :-). In Sassnitz bleiben wir für 2 Nächte und nehmen morgen die Velos raus und wollen u.a. auch zum Königsstuhl pedalieren.
Auf unserer Reise sind wir an einem neu entstehenden Windpark auf deutschem Boden vorbei gekommen. Interessant ist, dass die Wassertiefe dort immer noch ca. 25 m betrug. Müssen mal googlen wie so etwas gebaut wird. Da sind ja enorme Kräfte am Walten, ob vom Wasser oder von der Luft.
22.08.2018
Es war Sassnitz-Tag mit den Velos und zu Fuss. Gestartet haben wir mit der 278 m langen Fussgänger-Brücke, die vom Hafen in den Stadtteil Alt-Crampas führte. Zu DDR-Zeiten gab es hier die typischen DDR-Wohnsilos . Davon übriggeblieben ist noch das Hochhaus für Ledige als geschichtliche Erinnerung. Von dort sind wir dann weiter in den Ortsteil Alt-Sassnitz geradelt und hinein in den Nationalpark Jasmund. Unser Ziel war der Königsstuhl im Nordosten des Nationalparks und dann die Kreidefelsen nahe Sassnitz. Wir sind brav dem Radweg im Nationalpark gefolgt. Aber anscheinend führt der kreuz und quer da durch. Irgendwann nach etlichen KM kam ein Wegweiser mit der Angabe 15 km bis zum Königsstuhl. Das war uns dann doch zu weit. Vor allem auch weil der Weg unbefestigt ist und für unsere Klappvelos mit den kleinen Rädern fast schon gefährlich. Mit einem Mountain-Bike kein Problem. Also haben wir umgekehrt und sind zu den Kreidefelsen gefahren. Vom Weg führte eine Treppe runter zum Meer/Kiesstrand. Unten angelangt erstreckten sich die Kreidefelsen links und rechts der Küste entlang. Das war sehr eindrücklich, haben sie ja auch im Sonnenschein fast geblendet, so weiss sind sie. Interessant ist auch, dass das Geräusch beim Gehen über den Kiesstrand nicht so tönt wie erwartet. Es ist schwer zu erklären, aber es tönte irgendwie hohl und eben kreidig. Wieder zurück bei den Velos ging es nach Alt-Sassnitz. Zuerst durch die Gassen und entlang den alten Häusern mit den schön verzierten Holzbalkonen und dann runter an die Promenade mit ihren Restaurants und dem Kurplatz. Am Abend sind wir dann auch in eines der vielen Fischrestaurants Essen gegangen. Es hat sehr gemundet. Tönt gut Deutsch, oder?
23.08.2018
Reisetag: Start Sassnitz - Ziel Hansestadt Stralsund = ca. 50 Sm
Um 9.15 Uhr haben wir Sassnitz verlassen und sind raus auf die Ostsee gefahren. Ich kann euch wieder einmal eine längere Route beschreiben, die uns um Kaps, in verschiedene Bodden, Haken und Sunde führte. Zuerst fuhren wir wieder gegen Norden rund um die Landzunge Jasmund und der Kreideküste entlang. Dabei kamen wir auch am Königsstuhl vorbei. Vom Wasser aus war die Sicht auf jeden Fall viel besser als von oben aufs Wasser raus. Danach fuhren wir an der Bucht Tromper Wiek vorbei und hielten auf das Kap Arkona zu. Dieses liessen wir links liegen und fuhren nun westlich um die Landzunge Wittow und hinein in den Libben. Von nun an folgten wir wieder betonnten Fahrrinnen. Der Weg führte uns zwischen der Insel Hiddensee und Rügen durch und vorbei an der Insel Ummanz in den Kubitzer Bodden. Dann noch in den Strelasund hinein und schon lag die Hansestadt Stralsund vor uns. "Schon" ist zwar etwas übertrieben, dauerte die Reise doch ca. 6.5 Std. Aber dieses Mal ohne Wind und Wellen, fast ein bisschen langweilig ;-). Stralsund kennen die einen vielleicht von der Krimi-Serie oder weil hier das alte Segelschulschiff "Gorch Fock I" liegt, welches 1933 von Blohm & Voss für die Reichsmarine gebaut wurde.
Nach der Anmeldung beim Hafenmeister haben wir uns auf jeden Fall schon ein erstes Mal auf den Weg ins Hafengebiet mit den alten Backstein-Häusern, der Gorch Fock und Hafenanlage gemacht.
24./25.08.2018
An diesen beiden Tagen haben wir Stralsund erkundet, dieses Mal nur zu Fuss. Stop, stimmt nicht ganz: Wir haben an einem Tag eine Stadtrundfahrt mit dem Doppeldecker-Bus gemacht. Und was wir von der Altstadt Stralsund gesehen haben, hat uns sehr gut gefallen. Die Altstadt ist von Wasser umgeben, ob künstlich angelegte Teiche oder von der Ostsee, dem Strelasund. Es gibt 3 evangelische Kirchen, wobei eine davon nicht mehr für Gottesdienste genutzt wird sondern für kulturelle Anlässe, und eine katholische Kirche. Die St. Marienkirche ist die imposanteste davon. Das Rathaus, die St. Nikolaikirche und der alte Markt, was eine Einheit bildet, hat uns von all den eindrücklichen Gebäuden am Besten gefallen. Man kommt auf den Platz spaziert und dann hat man den Wow-Effekt. Die Fussgängerzone mit all den Shopping-Möglichkeiten führt fast quer durch die Altstadt und lädt ein zum Lädele. Dann gibt es noch das Heilgeistkloster, welches nie als Kloster genutzt wurde. Heute sind darin Wohnungen. Bei einigen Gebäuden kann man auch den DDR-Einfluss noch sehen. Auch wenn es in der Altstadt nur am typischen Schriftzug noch zu erkennen ist. Übrigens Stralsund nennt man auch "Das Tor zur Insel Rügen". Mit Rügen ist Stralsund über 2 Brücken verbunden. Ein interessantes geschichtliches Detail über Stralsund ist, dass die Stadt im 30jährigen Krieg mit Hilfe von Schweden und Dänemark der Belagerung von Wallensteins Truppen Widerstand leistete. Dadurch erfolgte eine fast 200-jährige Zugehörigkeit zum Königreich Schweden. Erst 1815 kam Stralsund zu den Preussen und quasi zurück zu "Deutschland". Nach dem 2. Weltkrieg war Stralsund Teil der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands und wurde so DDR-ig.
Und natürlich durfte ein Besuch auf dem Segelschiff Gorch Fock I nicht fehlen. Auch dieses Schiff hat eine interessante Vergangenheit. Wie das Schiff zu seinem Namen kam, könnt ihr unten auf Foto Nr. 5 lesen. Das Schiff wurde 1933 gerade mal in 100 Tagen in der Werft Blohm & Voss für die Reichsmarine gebaut. 1945, im 2. Weltkrieg, wurde das Schiff in Stralsund versenkt. 1947 fand die Bergung statt und das Schiff wurde in Rostock und Wismar repariert. Ab 1949 war es ein Segelschulschiff der Handelsmarine der UdSSR unter dem Namen "Towarischtsch" (= Genosse/Kamerad). Nach der Auflösung der Sowjetunion blieb das Schiff im ukrainischen Hafen Kherson liegen. 1995 kam es nach England für Reparaturen, welche aber nicht in Gang kamen. 1999 kam die Gorch Fock dann nach Wilhelmshaven, wo es 2000 an der "EXPO am Meer 2000" ein Highlight war. Aber auch hier scheiterten die Reparaturarbeiten mangels fehlenden Geldmitteln. 2003 kaufte der Verein "Tall-Ship Friends e.V." das Schiff und wurde auf einem Dockschiff nach Stralsund transportiert. Hier liegt sie nun und wird durch viel freiwilligen Arbeit und dem Verein in Stand gestellt.
26.08.2018
Die Hansestadt Stralsund gehört der Vergangenheit an. Wir haben die sehr schöne Stadt verlassen und fuhren als Erstes raus auf den Strelasund und unter der grossen Hänge- und Eisenbahnbrücke durch. Dem Strelasund folgten wir bis in den Greifswalder Bodden. Dabei passierten wir den südlichsten Punkt von der Insel Rügen: Grabow auf der Inselzunge Zudar. Den Greifswalder Bodden durchfuhren wir von West nach Ost bis fast vor die Insel Ruden. Nun ging es weiter in Richtung Süden auf die Insel Usedom zu, hinein in das Spandowerhagener Wiek und hielten auf den Flugplatz auf Usedom zu. Und schon waren wir auf dem Fluss Peene, welchem wir bis zur Ortschaft Kröslin folgten. Kröslin liegt fast am Anfang der Peene. Hier haben wir in einem fast neuen Hafen festgemacht. Kröslin selber als Ortschaft ist nicht wirklich sehenswert, Es gibt eine schöne alte Kirche mit Holzturm, viel Natur und das neue Baltic Sea Resort, welches mit dem Hafen zusammenhängt. Irgendwie spürt und sieht man noch die DDR. Aber wie gesagt, die Hafenanlage ist top. Z.B. sind im Sanitärgebäude kleine einzelne Bäder eingebaut, die jeweils über eine Dusche, WC, Lavabo und Föhn verfügen - fast wie zu Hause. Hier bleiben wir für eine Nacht.
27.08.2018
Nach einem kleinen Einkauf im Dorfladen haben wir Kröslin gegen Mittag verlassen und sind wieder auf die Peene rausgefahren. Wir fuhren an Wolgast vorbei, wo die Werft Lürssen einen Standort hat, und weiter/durch dem Peenestrom entlang nach Süden. Achterwasser liessen wir links liegen und fuhren in den Jamitzower Hard und um den Usedomer Winkel herum. In diesem Abschnitt mussten wir sehr gut darauf achten, dass wir in der Fahrrinne blieben. Manchmal war die Wassertiefe daneben gerade mal 1.5 m. Bei Karnin - liegt auf dem Usedomer Winkel - haben wir ein Überbleibsel einer Eisenbahn-Hebebrücke passiert. Die Brücke wurde 1945 zerstört und der Hubteil blieb als technisches Denkmal mitten im Strom stehen. Nach Mönchow fuhren wir ins Stettiner Haff, resp. ins kleine Haff. Ca. mittig vom kleinen Haff bogen wir fast rechtwinklig nach Süden ab und hielten auf Ueckermünde zu. Während der ganzen Fahrt hatten wir starken Südwind bis zu 7 Windstärken (= 55 Km/h). Als wir dann auf Ueckermünde zuhielten (gegen den Wind), hatten wir plötzlich Weg-Begleiter am Heck der Red Snapper (siehe Foto Nr. 7). Die Möwen haben den Windschatten des Schiffs für ihre Reise ausgenützt. Schlaue Tiere! In der Marina Lagunenstadt Ueckermünde haben wir festgemacht. Also Lagunenstadt ist etwas übertrieben, aber es ist eine interessante Hafenanlage. Man ist auch ganz nah zum kleinen Haff und dem dort liegenden Strand und Seebad. Die Ortschaft Ueckermünde liegt etwas mehr im Landesinneren. Dem Beschrieb nach soll es eine schöne Ortschaft sein mit einem alten Kern. Da wir hier sicher für 2 Nächte liegen bleiben, haben wir genügend Zeit, alles zu erkunden. Und ein Waschtag müssen wir auch wieder einmal einlegen :-).
28. - 29.08.2018
In den Tagen in Ueckermünde waren wir ganz fleissig und haben die Red Snapper wieder einmal richtig auf Hochglanz gebracht. All die Überbleibsel vom Salzwasser wurden weggeschrubbt und die Fenster wurden geputzt. Innen wurde mit dem Staubsauger und Swiffer rumgewütet und das Bettchen wurde neu gemacht. Bei der Blachenfenster-Reinigung haben wir wieder gerissene Nähte entdeckt. Also auf zum Segelmacher, um die Nähte nachbessern zu lassen. Irgendwann werden wir ja den einen oder anderen Herbststurm abkriegen. Dann wurde der Kühlschrank aufgefüllt und Vitamine in Form von Obst eingekauft. Wir wollen ja kein Skorbut :-). Und natürlich mussten wir auch die Umgebung von Ueckermünde erkunden. Das Seebad ist sehr schön und für Klein und Gross. Der Strand hat feinsten Sand und bis weit nach draussen bleibt das Wasser seicht - Ideal für die Kleinen. Auch für Spass und Verpflegung ist gesorgt. Über Imbiss- und Würstchen-Buden bis zur Eisdiele hat es alles. Das Restaurant "Strandhalle" ist ein gepflegtes Restaurant (1. Foto unten), welches eine alte Geschichte hat. Es gibt dem Haff-Bad auch einen gewissen Glamour-Effekt. Der alte Ortskern von Ueckermünde ist klein aber fein. Um den Marktplatz und in den Gassen gibt es sehr schöne alte Häuser. Und natürlich findet man auch Gebäude aus der DDR-Zeit, wie z.B. das Haus "Volksbühne". Während dem Sommer sorgt die Gemeinde auch für Unterhaltung. So finden von Juli - August jeweils am Dienstag-Abend Konzerte auf dem Marktplatz statt oder am Mittwoch einen Markt. Wir wollten uns das Konzert natürlich nicht entgehen lassen und haben das mit unserem Abendessen in einem Restaurant auf dem Marktplatz verbunden. Okay, der Musiker war nicht gerade top, aber er sorgte doch für Unterhaltung. Auf jeden Fall hat es uns sehr gut gefallen in Ueckermünde.
30.08.2018
Unsere Reise geht weiter. Wir haben um 10.00 Uhr den Hafenplatz verlassen und sind noch zur Tankstelle gefahren, um Diesel zu bunkern. Danach ging es wieder raus ins Kleine Haff, was der westliche Teil vom Stettiner Haff ist. Dieses durchfuhren wir ostwärts, fuhren dann ins Grosse Haff (östlicher Teil vom Stettiner Haff) und weiter in die Oder-Mündung. Übrigens heisst die Oder auf polnisch Odra. Dabei passierten wir die Insel Wyspa Chelminek. Der Oder folgten wir bis zum Abzweiger in den Dammscher See (Jezioro Dabie). Fast am Ende des Sees tuckerten wir in die Regzlica/Odra Wschodnia, bis wir den Abzweiger in den Altdammer Strom (Dabska Struga) nahmen. Und schon kurz danach hiess es Leinen festmachen im Hafen "Marina Hotele". Der Hafen liegt ausserhalb von Stettin, soll aber gute Busverbindungen in die Stadt haben. Das werden wir in den nächsten Tagen prüfen. Leider können wir euch nicht viele schöne Bilder von dieser Etappe mitgeben. Zum einen war der Himmel und das Wasser Ton in Ton, zwischendurch hat es auch geregnet und zum anderen hatte es nicht gute Fotomotive ausser viel Natur und Wasser. Wir hoffen aber, euch in den nächsten Tagen wieder mit schönen Fotos von Stettin beglücken zu können.
31.08. / 01.09.2018
Wir haben 2 ganze Tage in Stettin verbracht. Am 31.08. wollten wir nur einen kurzen Spaziergang in die anderen Häfen, welche östlich von uns gelegen sind, unternehmen. Daraus wurde dann aber ein Fussmarsch von ca. 10 Km bis in die Ortschaft Dabie und zurück. Der "Spaziergang" war nicht einmal schön oder aufmunternd. Der Weg führte eigentlich am Radweg entlang und dieser der Strasse, mit mehr oder weniger keiner Aussicht. Unsere Schuld, es hatte nur diesen Weg. In Dabie angekommen war es ernüchternd. Die Häuser sind am verfallen oder sind schon verfallen. Bei einigen Hausfassaden kann man noch schöne Verzierungen erkennen, aber die bröckeln ab. Die Strassen und Trottoirs haben Löcher und Risse. Der Anblick ist nicht wirklich schön. Das Schönste - wie so oft - ist die Kirche im Zentrum. Und zu guter Letzt mussten wir noch mit ansehen, wie sich ein Mann an der Hauswand des Lebensmittelgeschäfts erleichterte. Dieser Ausflug war dann wohl nichts.
Am 01.09. haben wir unsere Velos ausgepackt und sind in die Altstadt von Stettin geradelt. Zuerst war der Radweg noch gut zu befahren. Aber schon nach ca. 2 Km mussten wir Löcher und Risse umfahren. Wir waren richtig froh, als wir die Hakenterrasse erreicht hatten. Auf Anhieb hat es uns sehr gefallen, was wir sahen. Aber als wir dann zu den Museen oberhalb der Terrasse gefahren sind, mussten wir erneut feststellen, dass auch hier vieles im Argen liegt. Die Gebäude sind wunderschön, aber die Umgebung gehört eben auch dazu. Es ist sehr schade, dass nicht etwas auf Sauberkeit oder auf Zugangswege ohne Schlaglöcher geachtet wird. Als nächstes fuhren wir zum Stettiner Schloss, eine sehr interessante Architektur. Hier sah man, dass renoviert wird. Das stimmt doch zuversichtlich. Weiter ging es in die Altstadt. Leider ist vieles wieder ungepflegt. Es gibt zwischendurch immer wieder Lichtblicke, aber diese können nicht über den schlechten Zustand der Stadt hinwegtäuschen. Was nicht wirklich alt ist, ist einfach nur unschön zu betrachten. Irgendwann sind wir dann ins Zentrum gekommen und haben uns die Galeria Kaskada - ein Einkaufscenter mit ca. 140 Geschäften - angeschaut. Und jetzt haben wir die Welt fast nicht mehr verstanden. Alles war sehr gepflegt und die Boutiquen waren nur vom Feinsten - viele Marken-Boutiquen. Man hatte sogar das Gefühl, dass andere Menschen darin sind. Der Kontrast hätte nicht grösser sein können. Auf jeden Fall kam unser Fitnessprogramm an diesem Tag nicht zu kurz. Wir sind ca. 20 Km geradelt und haben noch etliche Meter zu Fuss gemacht.
Wir hoffen, dass wir mit unserem Bericht niemand zu Nahe getreten sind. Es ist einfach so, dass wir, nach allem was wir gesehen haben, in eine andere Welt eingetaucht sind. Die Altstadt von Stettin wäre sehr schön, es müsste einfach in sie investiert werden. Wenn nur etwas mehr auf Sauberkeit und Sorgfalt geachtet würde, was nicht viel kostet, würde sich der Gesamteindruck um einiges zum Positiven wenden.
02.09.2018
Der erste Tag mit Nebel am Morgen. Aber als wir Stettin verlassen haben, hat die Sonne uns angelacht.
Via die Dabsaka Struga sind wir in die Regalica eingefahren, welcher wir dann südwärts folgten. Dabei passierten wir 3 Brücken, bei welchen wir unseren Mast runterfahren mussten. Alles kein Problem (siehe Foto Nr. 1). Bei der 4. Brücke - die Eisenbahnbrücke von Podjuchy - wussten wir, dass es mit Mast legen alleine nicht gemacht ist. Aber nach Beschrieb auch kein Problem, da man sich per Funk anmelden kann und auch die Öffnungszeiten der Brücke ausgehängt ist. Also, wir sind vor der Brücke und halten Ausschau nach der Zeittafel. Fehlanzeige, nirgendwo ist etwas angeschrieben. Also über Funk den Brückenwärter auf Deutsch und Englisch anrufen. Fehlanzeige, auch nach mehrmaligen Anrufen keine Antwort. Was macht man in der heutigen Zeit noch? Über das Internet versuchten wir zu Informationen zu kommen. Eine offizielle Webseite haben wir nicht gefunden, dafür aber ein Forum von Bootsfahrer. Einer hatte Erfolg mit Signal geben/hupen. Also haben wir das auch versucht. Kein Erfolg. Dann hat einer im Forum eine Telefon-Nummer der Stettiner Bahnbetriebe angegeben. Nach 3 Anrufen hat sich auch hier niemand gemeldet. Okay, es war Sonntag, also auch verständlich. Da haben wir auf der anderen Uferseite Leute entdeckt und sind rüber getuckert. Vom Bug aus habe ich gefragt, ob sie Deutsch oder Englisch sprechen. Nein, keine Chance, aber einer hat einfach mit mir in Polnisch gesprochen und gesprochen... Wir wieder zurück zur Brücke. Es war ja zum Verrücktwerden. Die Türe zum Wärterhaus stand nämlich offen. aber keiner liess sich blicken. Wir haben es nochmals mit viel Hupzeichen versucht. Und plötzlich bequemte sich ein Mann raus und sah auch noch ungeduldig/genervt aus. Er meinte, wir sollen an den Pollern für Frachtschiffe festmachen und warten. Ich darauf: Wann wird die Brücke geöffnet? Er: In einer Stunde, vielleicht in zwei. Ich: Was nun, einer oder zwei? Er: Etwa eine. Und fertig war unsere Konversation, denn der Wärter ging wieder ins Haus. Daraufhin beschlossen wir umzukehren und über den Stettiner Frachthafen und durch Stettin zu fahren. Die ganze Übung hat uns etwa 1,5 Std. Zeit gekostet. Und leider war es auch nicht gerade förderlich für unsere Meinung über diesen Teil von Polen.
So fuhren wir dann auf der West-Oder in Richtung Süden an Stettin vorbei. Ca. auf Höhe Staffelde (DE) wird die Westoder zum Grenzfluss Polen/Deutschland. Bei Friedrichsthal haben wir die Westoder verlassen und sind in die Welse, resp. in die Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstrasse eingefahren. Nun waren wir definitiv in Deutschland. Bei Schwedt haben wir im PCK-Hafen festgemacht. Von unserem Liegeplatz haben wir direkte Aussicht auf die Wasserstrasse.
Foto links: Beim Saubermachen finden wir diesen armen Fisch im Ablaufsieb im Cockpit. Keine Ahnung wie der hier reingekommen ist!
03.09.2018
Am Vorabend haben wir vom Hafenmeister einen Stadtplan von Schwedt überreicht bekommen, auf welchem einige schöne Plätze und Gebäude beschrieben waren. Also dachten wir uns, dass wir nach dem Frühstück noch zu Fuss in die Stadt Schwedt spazieren. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Die alten Gebäude und auch die Fussgängerzone sind sehr schön hergerichtet. Es gibt einige Gebäude - alt oder neu - mit sehr gut gemachten 3D-Wandmalereien. Und da wir ja schon in der Stadt waren, haben wir unsere Vorräte ebenfalls aufgestockt. So gegen 12.30 Uhr sind wir dann losgefahren und weiter der Hohensaaten-Friedrichtsthaler-Wasserstrasse gefolgt. Dabei passierten wir folgende Ortschaften:
Criewen - Stützkow - Stolpe - Stolzenhagen - Lunow - Hohensaaten
Bei Hohensaaten mussten wir seit langem wieder eine Schleuse befahren. Die letzte Schleusenfahrt war bei Stockholm. Nach dieser Schleuse befanden wir uns auf der Havel-Oder-Wasserstrasse. Und schon bald waren wir in Oderberg, wo wir in der Marina Oderberg festgemacht haben. Ein kleiner Hafen direkt am/im Kanal mit einem hilfsbereiten Hafenwart. Was will man mehr? Wir konnten sogar Brötchen für den nächsten Morgen bestellen.
Wandmalereien an Gebäuden in Schwedt
04.09.2018
Die Reise auf der Havel-Oder-Wasserstrasse ging weiter. Oderberg gehört der Vergangenheit an und es ging immer weiter auf Berlin zu. Folgende Orte haben wir heute passiert:
Liepe - Nordend bei Eberswalde - Lichterfelde - Schorfheide/Finowfurt - Marienwerder - Malz + Friedrichtsthal - Oranienburg
Aber der Reihe nach: Nach Liepe kamen wir zum Schiffshebewerk Niederfinow. Es gibt ein Süd- und ein Nordwerk. Das Nordwerk ist noch im Bau und hätte eigentlich 2017 fertig werden sollen. Ist noch nicht so, vielleicht 2019. Aber wirklich eindrücklich ist so oder so das alte Hebewerk, das Südwerk. Im März 1934 wurde das Schiffshebewerk in Betrieb genommen und ist noch das älteste arbeitende Hebewerk Deutschlands. Kommt man vom Norden, fährt man in das Becken/den Trog unterhalb der ganzen Stahlkonstruktion ein. Das Schiff vertäut man fest an den Stegen. Danach schliesst sich das hintere Tor und der Trog wird in 5 Minuten 36 m mittels 256 Stahlseilen hochgezogen. Oben angekommen öffnet sich das vordere Tor und man fährt über eine Stahlkonstruktionsbrücke wieder hinaus auf die Wasserstrasse. So etwas Eindrückliches haben wir noch nie gesehen. Hammermässig - seht dazu die Bilder unten oder geht auf die Homepage www.schiffshebewerk-niederfinow.info. Und kurz vor Oranienburg mussten wir noch eine Schleuse passieren, die Schleuse Lehnitz. Eigentlich wollten wir in einem Hafen um Oranienburg festmachen. Aber alle Plätze waren belegt. Also sind wir noch etwas weiter gefahren und haben in der Marina Havelbaude einen Platz gefunden. Ein kleiner Hafen mit sehr viel Natur und freundlichen Leuten.
Fotos Schiffshebewerk Niederfinow Süd - siehe auch Video
05.09.2018
Es war wieder mal ein Fitnesstag geplant und zwar auf dem Velo. Nach dem Frühstück sind wir losgeradelt, unser Ziel Oranienburg. Vom Hafen bis in die Stadt führte ein gut ausgebauter Radweg, und wir kamen richtig gut vorwärts. Von Oranienburg haben wir uns viel versprochen, hat es doch ein Schloss mit Schlosspark und eine Altstadt. Als erstes fuhren wir zum Schloss Oranienburg. Es ist schön, aber auch nicht mehr. Es mutet fast wie eine Kaserne an. Im 2. Weltkrieg wurde es von der NS auch so genutzt. Für die Besichtigung des Schlosses und auch für den Schlosspark hätte man bezahlen müssen. Das war es uns aber nicht wert. Die Velos liessen wir stehen und gingen zu Fuss weiter und folgten einem Plan durch die "Altstadt". Eine schöne Altstadt ist es nicht wirklich wie man das ansonsten von den deutschen Altstädte kennt. Der ganze Verkehr führt da durch und die Gebäude waren nicht eindrücklich. Es war enttäuschend. So entschieden wir uns, wieder zurück zur Red Snapper zu radeln. Aber für unsere Fitness haben wir etwas gemacht. Es waren so an die 30 Km, die wir hinter uns gelegt haben. Da wir früher als geplant wieder beim Schiff waren und es sehr warm war, gingen wir ins Hafenrestaurant und haben uns einen feinen Coupe spendiert :-). Danach war lesen und entspannen angesagt.
Noch eine Info zu Havelbaude. Wie bereits beschrieben liegen wir ja direkt an der Wasserstrasse. Der Hafenmeister hat uns am Vortag erzählt, dass man abends und früh morgens auf dem gegenüberliegenden Ufer verschiedene Tiere (Biber, Dachse, Wildschweine, Rehe und Füchse) beobachten kann. Und tatsächlich habe ich um 6.00 Uhr zwei Biber gesehen (Riesenbiber) und auch ein Wildschwein kam kurz raus zum Grasen.
06.09.2018
Nach dem Frühstück sind wir weitergefahren. Es ging weiter auf der Havel-Oder-Wasserstrasse Richtung Süden. Wir passierten Henningsdorf und fuhren kurz danach in den Havelkanal ein. Nach Schönwalde hatten wir die Schleuse Schönwalde mit einem Gefälle von 2.25 m zu passieren. Danach immer weiter dem Havelkanal entlang, vorbei an Brieselang und dem Betriebshafen RIGIPS-Werk. Dann folgte Wustermark, bis wir an die Kreuzung der Havel, des Havelkanals, des Sacrow-Paretzer-Kanals und der Potsdamer Havel kamen - liegt beim Göttinsee. Wir wählten den Ausgang "Potsdamer Havel". Nun durchfuhren wir den kleinen Zernsee und kamen in den grossen Zernsee. In der Marina Zernsee bei Werder haben wir einen schönen Kopfsteg-Platz gefunden und liegen nun mit Sicht auf den See gut vertäut. Zum Abendessen gab es selbstgemachte Pizza vom Pizza-Kit. Das Kit besteht aus einem rechteckigen Pizzateig und einem Glas Tomatensauce. Den Rest muss man dazu kaufen. Der Teig war sehr gut und wurde schön knusprig auf unserem Pizza-Stein. Und ein gutes Glas Rotwein durfte natürlich auch nicht fehlen. Schliesslich waren wir auch vor den Toren von Berlin.
07.09.2018
Wir bleiben für 3 Nächte in der Marina Zernsee und machen von hier aus Ausflüge zu Fuss oder mit dem Velo.
Am 07.09.2018 sind wir zu Fuss unterwegs gewesen. Im Hafen in der Havelauen (Werder) - etwa 1 Km von unserem Hafen entfernt - findet bis 09.09.2018 eine kleine Bootsausstellung statt, wo die ausgestellten Boote im Wasser sind. Also eine Inwater-Ausstellung. Diese haben wir natürlich besucht. Von dort gingen wir dann weiter ins Zentrum von Werder und auf die Werder-Insel mit der historischen Altstadt. Beim Überqueren der Inselbrücke passierten wir die Ruder-Regatta-Strecke von Werder. Die Altstadt ist sehr schön. Daniela T., du hättest uns ruhig verraten können, dass du auf der Insel ein altehrwürdiges Haus besitzt (Foto Nr. 11) ;-). Danach marschierten wir auf die Bismarckhöhe mit dem Schloss. Leider war es aber nicht geöffnet und wir konnten von unserer Seite her nicht einmal ein Foto schiessen. Und da wir schon etliche Kilometer marschiert sind und es immer wärmer wurde - am Morgen hatte es noch ein bisschen geregnet - entschieden wir uns, den Bus zurück zu nehmen. Aber wie es so ist, fährt gerade dann kein Bus. Also sind wir zum Werder Bahnhof gelaufen und dachten, wir nehmen von dort den Bus zu unserem Hafen. Aber auch hier hätten wir 20 Minuten warten müssen. Also weiter zu Fuss und am Schluss sind wir alles marschiert, d.h. wir haben ca. 12 Km hinter uns gelegt.
08.09.2018
Wir haben heute die Velos wieder ausgepackt und sind los geradelt mit Ziel Potsdam. Im Vorfeld haben wir uns gar keine Gedanken gemacht, was uns erwarten könnte. Beim Bahnhof Werder führte uns der Radweg über die Eisenbahnbrücke und somit auch über die Havel. Über Golm fuhren wir dann direkt vor das Neue Palais in Potsdam, welches von 1763 - 1769 erbaut wurde. Potsdam ist vor allem bekannt als Residenzstadt der Könige von Preussen und den zahlreichen und einzigartigen Schloss- und Parkanlagen. Wow, da staunt man nur so über die Grösse und Architektur. In einem Teil des Palais befindet sich heute die Potsdamer Universität. Danach spazierten wir quer durch den Sanssouci Park mit all den Schlössern wie das Schloss Sanssouci, das Orangerieschloss mit seinen Terrassen und etliche andere Sehenswürdigkeiten. Wir glauben, dass das Wort Gigantismus oder Grössenwahn schon viel früher gelebt/geprägt wurde. Aber zum Anschauen ist es wunderschön und sehr eindrücklich. Vermutlich ist unsere Hinterlassenschaft nicht Wow-Effekt-würdig, zumindest nicht in dieser Anzahl. Den Park haben wir beim Potsdamer Brandenburger Tor verlassen - nicht zu verwechseln mit dem Berliner Brandenburger Tor, welches 1989 definitiv in die Geschichte einging. Die Velos liessen wir hier stehen. Nach dem Tor gingen wir die Brandenburger Strasse (Fussgängerzone) hoch und runter mit all seinen Cafés und Boutiquen in alten schönen Häusern. Bei einem Eiscafé vor dem Tor haben wir uns mit einem Coupe für die Heimfahrt gestärkt. Es warteten nämlich ca. 15 Km auf uns. Kurz vor der Red Snapper, welche ganz brav in Werder auf uns gewartet hat, haben wir noch Kleinigkeiten für den Gaumen eingekauft. Und so ging wieder ein sportlicher und eindrücklicher Tag zu Ende mit ca. 30 Km Fahrrad fahren und vermutlich etwa 5 Km Fussmarsch.
09.09.2018
Die Marina Zernsee und somit Werder haben wir verlassen und sind wieder mit der Red Snapper unterwegs. Das Tagesziel ist ein Hafen zu finden, der in der Nähe des Flughafen Tegel liegt. Am 10.09.2018 bekommen wir nämlich Besuch. Christa und Beat von Saas-Fee kommen uns besuchen. Freude herrscht!
Wir sind also raus auf die Havel und haben die Insel Werder links passiert. Danach ging es in den Schwielowsee, welchen wir aber nur nordöstlich befuhren und weiter ums Eck in den Templinersee. Diesen durchfuhren wir in Richtung Norden und kamen wieder vor die Tore von Potsdam. Auf der Neuen Fahrt schipperten wir an Potsdam vorbei und sahen wieder viele schöne Schlösser, Häuser, etc. Danach kam der Jungfernsee und wieder die Havel. Den Grossen Wannsee streiften wir nördlich und fuhren weiter auf der Havel. Vor Spandau mussten wir durch die Schleuse Spandau. Danach fuhren wir an Spandau und Hakenfelde vorbei. Und nun noch durch den Krienicke und dann vor Tegelort rechts weg nach Saatwinkel (Berlin). Beim Hafen vom Wassersportclub Siemensstadt in Saatwinkel (mit Sicht auf die Inseln Marienwerder und Baumwerder) wurden wir ganz herzlich empfangen und direkt auf ein Bier eingeladen. Es war sehr gemütlich. Danke vielmals, liebe Wasserfreunde! Ein Mitglied meinte dann auch, dass er uns schon irgendwo auf unserer Reise getroffen/gesehen hat. Er war im Sommer auch in Schweden unterwegs. Er holte sein Logbuch und nun haben wir versucht herauszufinden, wo es denn war. Und tatsächlich, als wir auf der Insel Bornholm in Allinge lagen, kam er zu Fuss an uns vorbei und staunte über uns Schweizer und über die Red Snapper. Die Welt ist klein, oder!?
Es gab nämlich noch ein weiteres Erlebnis, was ich euch bis jetzt vorenthalten habe. Ca. ab Mitte des Götakanals hatten wir immer dieselben Begleiter - ein kleines Segelboot mit blauem Rumpf lautend auf den Namen "Alte Liebe" und 2 Burschen drauf. Nach dem Götakanal verlor sich die Spur. Auf der Peene (bei Kröslin) sahen wir doch tatsächlich die Alte Liebe wieder. Wir haben gehupt und gewinkt, aber die Leute drauf haben nur komisch geschaut. Es waren vermutlich die Eltern oder so. :-)
10. - 13.09.2018
Es war ein grossartiger wichtiger Tag. Wir sind Christa und Beat am Flughafen Tegel abholen gegangen. Wir haben von Saatwinkel den Bus, die U-Bahn und dann wieder den Bus genommen um zum Flughafen zu kommen. Ging alles ohne Probleme. Dann haben wir gewartet bis sie durch die Glastüre kamen. Auch sie haben es ohne Probleme geschafft und so war die Wiedersehensfreude gross. Danach fuhren wir mit dem Taxi zurück zur Red Snapper. Und natürlich gab es einen Willkommensdrink! Danach war Kajüte beziehen angesagt und wir haben uns entschlossen, noch eine erste Etappe zu fahren. Also Leinen los und die Havel wieder runter, durch die Schleuse Spandau und nach Pichelsdorf in die Scharfe Lanke. Im Hafen Lanke haben wir für eine Nacht festgemacht. Zum Nachtessen gab es Raclette (den Käse haben Zubis mitgebracht :-) ). Am nächsten Tag war Sightseeing auf der Spree mitten durch Berlin angesagt. Das war der Hammer. Wir kamen nicht aus dem Staunen raus. Auf dem Wasser passierten wir das Kanzleramt, den Reichstag, die Schweizer Botschaft, etc. Nach dem Reichstag haben wir an einem Anlegersteg für 24 Std. festgemacht und sind zu Fuss zum Reichstag, Brandenburger Tor und Holocaust Mahnmal gegangen. Alles war sehr eindrücklich und Christa/Beat konnten es kaum glauben. Nach einem kleinen Lunch sind wir wieder zurück auf die Red Snapper spaziert und sind weiter nach Stralau in den Yachthafen Stralau zu Axel gefahren. Axel ist der Hafenwart, ganz gesprächig und hatte viele Informationen für uns. U.a. hat er uns auch ein Restaurant empfohlen, welches wir am Abend berücksichtigten. Am nächsten Tag ging es nach dem Frühstück weiter. Wir haben Axel verlassen und sind die Spree runtergefahren bis vor Köpenick. Da ging es links weg auf die Müggelspree in den grossen Müggelsee. Den haben wir quer passiert und sind in den kleinen Müggelsee gefahren und dann weiter auf der Müggelspree vorbei an Neu Venedig. Neu Venedig ist eine Siedlung mit vielen herzigen und schönen Wochenend-Häuschen mit sehr gepflegten Gärten davor, aber auch mit schönen Wohnhäusern. Nach der Müggelspree ging es kurz in den Dämeritzsee und danach in den Gosener Kanal in den Seddinsee. Dieser durchfuhren wir bis Schmöckwitz und haben beim Segelclub Seddin angelegt. Nach dem "Check-In" sind wir zu Fuss in den REWE marschiert und haben uns ein Abendessen eingekauft. Es gab Grilliertes und Champignons-Risotto mit Salat. Am nächsten Tag schipperten wir die Spree-Oder-Wasserstrasse Richtung Norden - auch die Temperaturen waren leider nordig - durch den Langen See bis nach Köpenick. In Köpenick haben wir beim Aquaris Wassertouristik angelegt.
Heute war ja leider schon der Abreisetag von Christa und Beat. Also sind wir noch etwas zu Fuss durch Köpenick spaziert und schon bald haben sie ein Taxi bestellt und haben uns verlassen. Es waren wunderschöne Tage mit vielen Eindrücken. Vielen lieben Dank für euren Besuch und bis spätestens im Oktober wieder in Saas-Fee.
Wir blieben für eine Nacht in Köpenick.
14. -16.09.2018
Nachdem Christa und Beat uns verlassen hatten, sind wir nochmals eine Nacht in Köpenick geblieben. Danach fuhren wir zurück zu Axel in den Yachthafen Stralau. Von hier aus haben wir 2 Tage lang auf dem Velo die Umgebung und Berlin unsicher gemacht. Es gab viele Kilometer zu Fuss oder fahrenderweise. Wir waren am Checkpoint Charlie und auch im Museum, was sehr interessant und eindrücklich war. Von dort ging es weiter ins KaDeWe (Kaufhaus des Westens) und dann wieder zurück zu Axel. Am nächsten Tag war die Gegend um den Monbijou-Park dran. Axel gab uns den Tipp, die Hackesche Höfe zu besuchen. Ein super Tipp. Das sind 8 Innenhöfe, welche miteinander durch Durchgänge verbunden sind. In den Höfen hat es viele Ateliers, Kino, Shops, Cafés und Wohnungen. Die Höfe haben eine sehr alte Geschichte zu erzählen. Sie liegen auch in der Nähe der Jüdischen Synagoge und der Museumsinsel. Danach ging es zum Berliner Dom und zu den Museen auf der Museumsinsel. Alles sehr imposante, gewaltige Bauwerke, die einem nur so staunen lassen. Morgen kommt wieder Besuch aus der Schweiz. Peter und Eveline Mügeli haben ein Schiff für eine Woche gechartert. So bekommt auch die Red Snapper Gesellschaft.
17. - 23.09.2018
Wir sind von Stralau resp. von Axel weggefahren und zum Yachtcharter Löber in Wendeschloss/Köpenick gefahren. Dort haben wir auf Peter und Eveline gewartet. Gegen Mittag war es so weit: Sie sind eingetroffen und die Wiedersehensfreude war gross. Und wie es sich gehört, gab es ein Willkommensapéro und etwas zu knabbern. Nach der Schiffsübernahme und Einkäufen sind wir noch ein paar Seemeilen gefahren und haben im Müggelsee am Anker übernachtet. Es war wunderschön und sehr ruhig - Geräusche und Wellen. Von dort sind wir wieder zurück zu Axel nach Stralau - schon wieder, aber es gefällt uns bei Axel. Am nächsten Tag fuhren wir über die Spree durch Berlin. Dieses Mal aber von der anderen Seite herkommend. In der Nähe vom Schloss Bellevue haben wir an einem Halteplatz festgemacht und sind zur Siegessäule spaziert. Danach ging die Fahrt weiter bis Potsdam zu Hugo. Axel hat uns diese Adresse gegeben :-). Hier sind wir 2 Nächte geblieben und haben Potsdam (Potsdamer Brandenburger Tor, Brandenburger Strasse, Historische Innenstadt, Holländisches Viertel, Platz der Einheit) erkundet. Potsdam ist sehr zu empfehlen! Danach ging es nach Werder in die Marina Zernsee, wo wir auch schon waren. Im Nachbarhafen (dort fand die Bootsausstellung anfangs September statt) haben wir am Abend im Steakhouse Riva ausgezeichnet gegessen. Hin liessen wir uns vom Taxi chauffieren - es regnete in Strömen- zurück haben wir aber einen Verdauungsspaziergang gemacht. Am nächsten Tag schipperten wir nach Tempelhof am Teltow Kanal. Der Tempelhofer Hafen liegt direkt vor dem Einkaufszentrum, welches in einem alten Fabrikgebäude untergebracht ist. Hat uns sehr gut gefallen. Und wie es so ist mit allem Schönen, es geht viel zu schnell vorbei. Am Sonntag tuckerten wir bereits wieder zurück zum Yachtcharter. Auch das Wetter hat sich unserer Stimmung angeschlossen. Es begann zu regnen und wurde merklich kühler. Noch ein letztes Abendessen beim Italiener und ein Schlummertrunk auf der Red Snapper und es hiess Adieu sagen. Eveline und Peter mussten nämlich schon am Montagmorgen um 6.00 Uhr mit dem Taxi zum Flughafen fahren. Und da dies noch eine Zeit zum Schlafen ist, haben wir uns eben bereits am Sonntagabend verabschiedet. ;-)
24.09.2018
Wir waren wieder allein, schnief schnief. Und Berlin mit Agglomeration gehört der Vergangenheit an. Es ist an der Zeit, dass unser Trip weiter geht. Auch wir haben Wendeschloss/Köpenick verlassen und sind in den Teltowkanal gefahren in Richtung Potsdam. Danach folgte der Jungfernsee, der Lehnitzsee, der Fahrlandersee und hinein in den Sacrow-Paretzer-Kanal. Diesem folgten wir bis Paretz, wo wir dann in die Havel einfuhren. Der Havel folgten wir alles westwärts bis nach Brandenburg an der Havel. Hier haben wir für eine Nacht festgemacht. Vor dem Abendessen haben wir die Altstadt und die City von Brandenburg noch etwas durchlaufen. Leider ist die Altstadt bis auf ein paar wenige Ausnahmen nicht sehr schön. Die City jedoch hat sehr viel zu bieten. Hier könnten wir Frauen uns die Zeit gut vertreiben. Die Männer müssten wir zu Hause lassen, leider.
25.09.2018
Da die Schleuse Wusterwitz bis 01.10.2018 gesperrt ist, musste der Kapitän Markus eine andere Route suchen. Wir wussten dies aber schon im voraus - also keine Überraschung. Wir verliessen Brandenburg um 09.00 Uhr und fuhren auf der Brandenburger Niederhavel in den Breitlingsee. Danach folgte der Plauer See, vorbei am Schloss Plaue (muss unbedingt renoviert werden) und hinein in die Havel. Dieser folgten wir nordwärts bis zur Schleuse Bahnitz. Das Schleusen geht uns leicht von der Hand - Übung macht den Meister ;-). Nun ging es weiter auf der Havel bis nach Rathenow, wo die nächste Schleuse auf uns wartete. Wir fuhren zur Hauptschleuse und haben uns wie angeschrieben angemeldet. Da erfuhren wir, dass die Hauptschleuse nicht bedient wird sondern die Stadtschleuse Rathenow. Also Leinen los und in die Rathenower Havel sowie in den Stadtkanal zur Stadtschleuse. Die Anmeldung erfolgte ohne Problem. Während dem Schleusen hat uns der Schleusenwart gefragt, wo denn unsere Reise hin geht. Wir sagten, dass wir den Elbe-Havel-Kanal wegen der geschlossenen Schleuse Wusterwitz umfahren müssen und nun über die Elbe, etc. nach Magdeburg gelangen wollen. Ja und da kam er mit der Hiobsbotschaft, dass die Elbe VIEL zu wenig Wasser führe. Welchen Tiefgang wir denn hätten, wollte er wissen. Wir haben 1.35 Meter. Aha, die Elbe hat im Moment um die 0.7 Meter. Upps, da fehlen einige Zentimeter. Wer hätte denn gedacht, dass die Elbe fast trockenfallen kann?!! Also führt unser Weg nur über den Elbe-Havel-Kanal mit der geschlossenen Schleuse. Da wir jetzt Zeit bis 01.10.2108 verplempern müssen, dachten wir, dass wir doch noch etwas die Havel bis Grütz befahren. Bis da ist die Wassertiefe auch gut. Wir haben ja Zeit! Leider mussten wir aber feststellen, dass die Plätze in Grütz alle belegt sind und weiter die Havel runterfahren wollten wir nicht. Also, was blieb uns anderes übrig, als wieder zurück nach Rathenow zu fahren. Der Schleusenwart hat sich auf jeden Fall gefreut uns wiederzusehen. Haha...
Wir bleiben nun hier für 2 Nächte und machen uns weiter schlau, was die Wasserstände betrifft.
26.09.2018
Markus hat schon ganz früh am Morgen begonnen, die vor uns liegenden Etappen zu planen resp. zu kontrollieren. Über Internet und Telefon hat er allerlei Informationen (Wasserstände und Schleusen) eingeholt. Bei der Schleuse Wusterwitz hat er ebenfalls angerufen und nachgefragt, ob die Öffnung der Schleuse definitiv am 01.10.2018 um 14.00 Uhr sei. Die Antwort war positiv aber mit dem Hinweis "nicht vor 14.00 Uhr". Nachdem nun feststand, dass wir erst am 01.10.2018 weiterkommen, haben wir uns in Rathenow einen schönen Tag gemacht. Haben ja nicht zu eilen! Wir sind den Weinberg hochspaziert und durch eine alte Parkanlage, wo am Ende des Weges der Bismarckturm von Rathenow steht. Ein sehr schöner Turm mit herrlicher Weitsicht. Übrigens wurde der Turm zu Ehren von Fürst Otto von Bismarck gebaut, weil er 1849 mit den Stimmen der Rathenower Wahlmänner in den preussischen Landtag gewählt wurde. Somit begann seine politische Karriere in Rathenow. Am 15.06.1875 wurde er zum Ehrenbürger von der Stadt Rathenow ernannt. Der Turm erinnert an sein Wirken in der Stadt. Rund um den Turm hat sehr gut gestaltete und grosszügige Spielplätze für jedes Kinderalter. Von da ging es wieder den Hügel runter in die City. Ein bisschen lädele, Esswaren einkaufen, Znacht kochen und den Abend gemütlich ausklingen lassen. Morgen geht es wieder zurück nach Brandenburg.
27. -30.09.2018
Wie angekündigt sind wir bei schönstem Wetter - und warm war es auch noch! - wieder zurück nach Brandenburg gefahren. Unterwegs haben wir viele Gänsen gesehen, die sich vermutlich schon sammeln, um in den Süden zu fliegen. In Brandenburg an der Havel haben wir beim Wasserwanderrastplatz Packhofufer (was für ein Wort für eine Anlegestelle) festgemacht. Er ist sehr gut gelegen und die Aussicht auf Wasser, die Jahrtausendbrücke und Uferpromenade ist tiptop. Die Duschanlagen sind neu gemacht. Hier können wir uns gut bis zum 01.10.2018 verweilen.
Am 29.09.2018 (Samstag) haben wir ein Auto gemietet und sind damit nach Spandau/Berlin gefahren. Uns hat ein Kartensatz (kurzer Abschnitt auf dem Rhein) gefehlt und in Spandau gibt es einen A.W. Niemeyer (Bootsausrüster in der Schweiz, Österreich und Deutschland), welcher Karten/Bücher und vieles mehr hat. Und eben vieles mehr ;-) Schon lange haben wir von einem klappbaren Bollerwagen gesprochen. Wir sind schon extra in Shops dafür gegangen und ihn nirgends entdeckt. Als wir in Stralau mit den Velos unterwegs waren, haben wir ihn im Bauhaus/Nautic Shop gefunden. Aber auf den Velos konnten wir ihn nicht transportieren. Also wurde der Kauf wieder vertagt. Und nun mit dem Auto musste es sein. Wir sind stolze Besitzer eines klappbaren Bollerwagens in der Farbe rot wie die Red Snapper :-). Und der Wagen hat uns schon am 1. Tag gedient. Auf der Rückfahrt von Spandau gingen wir noch Lebensmittel für die lange Reise einkaufen. Beim Schiff angekommen schnell den Bollerwagen aufklappen, alles reinstopfen und zum Schiff transportieren. So einfach, hihi.
Heute am 30.09.2018 hat uns der Bollerwagen schon wieder gedient. Wir mussten unbedingt waschen. Aber in keinem Hafen hier gibt es eine Waschmaschine und Tumbler. Aber es gibt in Brandenburg einen Waschsalon. Also wurde der Bollerwagen mit schmutziger Wäsche beladen und zu Fuss ging's in den Waschsalon. Ein neues Erlebnis für Markus und mich. Beide hatten noch nie einen Waschsalon von innen gesehen. Wow und wir wurden positiv überrascht. Es hatte verschiedene Waschmaschinen mit verschiedenen Ladekapazitäten und diverse Tumbler. Alles ging ruckzuckzackzack und wir waren in Besitz von frischer Wäsche. Und der liebe Bollerwagen durfte alles wieder zurückwägele. Und das ganze "Abenteuer" bei schönstem Wetter. Den Tag haben wir mit Kartoffelgratin und Gegrilltem, einem feinen Glas Rotwein und schöner Abendstimmung ausklingen lassen. Morgen ist Tag X. Drückt uns die Daumen. Guet Nacht mitenand und schlofet guet!
01.10.2018
Yeah, die Schleuse Wusterwitz ist offen. Nach dem Mittag haben wir die Leinen in Brandenburg gelöst und sind raus aus Brandenburg und in den Silokanal gefahren. Dieser Kanal umfährt Brandenburg und mündet danach in den Quenzsee und danach gelangten wir in die Untere Havel-Wasserstrasse. Weiter ging's in den Plauersee und den Grossen Wendsee. Am Ende dieses See gelangten wir in den Elbe-Havel-Kanal und schon bald standen wir vor DER Schleuse Wusterwitz. Wie erwartet waren wir nicht die Einzigen. Viele Boote, ob Berufsschifffahrt oder Sportschifffahrt, waren blockiert. Von einem Schiffseigner haben wir gehört, dass er 3,5 Wochen am Warteplatz der Schleuse ausgeharrt habt. Naja, in dieser Zeit hätte man - wie wir natürlich - viel Interessantes befahren und besichtigen können. Das Datum der Wiedereröffnung war ja bekannt. Wir mussten ca. 2,5 Stunden warten, bis wir auch dran waren. Das war vielleicht ein Treiben und Manöverieren! 30 Sportboote (kleine und grosse) wurden mit einer Schleusung abgefertigt (siehe die diversen Fotos dazu). Die Anzahl der Boote habe ich bei der Schleusenwartin erfragt. Und natürlich ging es nach dem Verlassen der Schleuse im "Stauverkehr" weiter. Aber wir waren glücklich, dass wir jetzt weiterkommen. Wir folgten weiter dem Elbe-Havel-Kanal und passierten die Ortschaften Genthin und Parey. Ausgangs Parey haben wir den letzten Platz an einer Liegestelle für Sportboote ergattert (das sind Plätze ohne Infrastruktur). Als Versöhnung hat uns die Natur noch eine wunderschöne Abendstimmung beschert.
02.10.2018
Die Schreibende wurde morgens um 07.00 Uhr geweckt. Unser Etappenziel Wolfsburg lag schliesslich ca. 110 Km entfernt. Ca. 07.45 Uhr wurde die Maschine gestartet und wir folgten weiter dem Elbe-Havel-Kanal. Nach Parey folgten die Ortschaften Zerben und Burg. Nach Niegripp begann der Mittellandkanal und auch die erste Schleuse - die Schleuse Hohenwarthe mit einem Hub von 19 Metern - erwartete uns. Als wir am Warteplatz vor der Schleuse festgemacht hatten, war direkt vor uns ein Boot mit der australischen Flagge und dem Bootsheimathafen Brisbane. Da musste ich natürlich nachfragen, was wie und warum :-). Der Eigner ist tatsächlich Australier und kommt aus Brisbane. Das Boot hat er aber vor 3 Jahren in Holland gekauft und war dann für 6 Monate in Holland unterwegs. Seither war er letztes Jahr für 6 Monate in Frankreich unterwegs und dieses Jahr in Deutschland. Die australischen Sommermonate verbringt er in der Heimat. Ist doch interessant, oder?! Nach der Schleuse folgte die Kanalbrücke Hohenwarthe, welche uns über die Elbe führte. Nun ging es alles dem Mittellandkanal entlang bis nach Wolfsburg, wo wir im Motorbootclub Wolfsburg, direkt neben dem Fussballstadium VW Arena, festgemacht haben. Zu dieser Reise muss man sagen, dass das Wetterglück uns verlassen hat. Es war windig, kalt und regnerisch. Einfach nur grusig/grüsig!!! Die Heizung läuft auf jeden Fall seit gestern durch und wir trinken viel Tee.
03.10.2018
Wiederum ging es früh los. Ein langer Weg lag vor uns. Wir sind am Fussballstadium und am VW-Werk vorbeigefahren und weiter auf dem Mittellandkanal gegen Westen getuckert. Nach Fallersleben (Wolfsburg) kam die Schleuse Sülfeld mit einem Hub von 9 Metern. Kurz danach kam ein Abzweiger in den Elbe-Seitenkanal. Wir aber folgten brav weiter dem Mittellandkanal. Leider gibt es nicht sehr viel zu berichten. Der Kanal ist einfach nur ein Kanal und ab und zu kreuzen wir Flussfrachtschiffe oder Sportboote. Viel zu sehen gab es nicht. Ca. 10 Kilometer vor Hannover (bei Anderten) hatten wir noch die Schleuse Anderten zu passieren. Diese Schleuse hat einen unglaublichen Hub von 15 Metern! Da hiess es einige Male, die Leinen auf die nächsten Pollern umzuhängen. Bei Hannover haben wir im Yachthafen Hannover an einem Aussensteg festgemacht. Ein freundlicher und gesprächiger Hafenwart hat uns in Empfang genommen. Die Nacht war ruhig und wir haben gut geschlafen.
04.10.2018
Und wieder ging es bei Zeiten los. Hannover liessen wir hinter uns und es ging weiter nach Westen und immer talwärts. Bei Lohnde mündete der Stichkanal Hannover-Linden in den Mittellandkanal. Und bei Minden passierten wir das Wasserstrassenkreuz Minden. Ein sehr eindrückliches und durchdachtes Bauwerk. Da zweigen Wasserwege ab, man fährt über eine Brücke, die über die Weser führt, links und rechts hat es Schleusen. Unser Weg führte aber einfach gerade aus und weiter und weiter auf dem Mittellandkanal. Bei Bad Essen haben wir in einer neu angelegten Marina festgemacht. Bad Essen ist bekannt für seine Salzgrotte.
Und definitiv ist nun mein Handy ausgestiegen. Schon seit 2 Tagen hatte ich das Problem, dass sich das Display nicht aufgebaut hat und es manchmal plötzlich nach mehreren Neustarts doch wieder ging. Nun geht aber gar nichts mehr und die Anzeige ist nur noch dunkel. Beim abendlichen Spaziergang habe ich einen O2-Shop gesehen. Morgen wollen wir vorbeigehen und ein neues Handy kaufen. Grrrr
05.10.2018
Merkt ihr etwas. Wir "rapsen" Kilometer um Kilometer. Seit Parey (Abreise am 02.10.2018) haben wir 222 Seemeilen = 410 Kilometer hinter uns gebracht. D.h. inklusive der heutigen Etappe von Bad Essen nach Münster. Aber der Reihe nach:
Zuerst sind wir am Morgen ins Dorf gegangen, um mir ein neues Handy zu kaufen. Ich bin Samsung untreu geworden und habe mich für ein Huawei Handy entschieden. Der Berater meinte, dass dies qualitativ viel besser wäre als Samsung. Und ich hatte nun 2x mal in den Ferien das Pech, dass meine Samsungs die Dienste aufgegeben haben. Also warum nichts Neues ausprobieren. Nach dem Einkauf ging's zurück auf die Red Snapper und die Leinen wurden gelöst. Hinaus auf den Mittellandkanal und weiter talwärts. Vorbei am Abzweiger Stichkanal Osnabrück und bis nach Bevergern. Beim "Nassen Dreieck" mündete der Mittellandkanal in den Dortmund-Ems-Kanal. Von nun ging es bergwärts Richtung Süden bis nach Münster. Kurz vor Münster mussten wir noch die Schleuse Münster passieren, welche einen Hub von ca. 6 Metern hatte. Noch 4 Kilometer fahren und dann mussten wir auch schon rechts in den Stadthafen Münster abbiegen. Hafen ist etwas übertrieben. Es gibt keine sanitären Anlagen oder Ähnliches. Der Stadthafen ist ein stillgelegter Industriehafen. In den alten Dockgebäuden entstanden oder entstehen Wohnungen, Restaurants, Pubs, Clubs, Kunstateliers, etc. Es pulsiert heute schon! In Münster bleiben wir für 2 Nächte. Die Stadt soll sehenswert sein. Wir lassen es euch dann wissen :-).
Ach und übrigens, der Herbst hat Einzug gehalten. Die Bäume verfärben sich und die Luft/Sicht ist klar. Die Wetterfee hat uns Sonne, blauer Himmel und Wärme zurückgebracht.
06.10.2018
Wir haben Münster in vollen Zügen genossen. Die Altstadt hat viel Charme und lädt zum Verweilen, Geniessen und Shoppen ein. Und da das schöne, warme Wetter mitgeholfen hat, waren die Strassen-Cafés gut besucht. Es herrschte ein buntes Treiben. Die Strassenmusikanten fanden reges Publikum. Am Abend haben wir das Restaurant Pasta Basta im Hafen berücksichtigt. Nach soviel Sightseeing und gefühlten 100 Kilometer gehen, war uns nicht mehr um's Kochen :-).
Ah ja und übrigens, es ist Oktoberfest-Zeit. Nicht weit vom Hafen war das Festzelt und überall sah man Weibsbilder in Dirndl und fesche Mannsbilder in Lederhosen. Bayern ist überall. Da es in den Nächten nun aber schon sehr kühl wird und wir deshalb die Bullaugen geschlossen halten, hat uns der Festlärm nicht weiter beim Schlafen gestört.
07.10.2018
Am Morgen haben wir bei Zeiten Münster verlassen und sind auf dem Dortmund-Ems-Kanal weiter südwärts gefahren. Der Weg führte uns durch die Ortschaft Senden, über die Kanalbrücken Stever und Lippe und bis zur Ortschaft Datteln. Dort bogen wir rechts ab in den Wesel-Datteln-Kanal und unsere Fahrt ging talwärts. Von nun an war auch Schleusen wieder angesagt. Die erste Schleuse folgte auch schon in Datteln mit einem Hub von 7,5 Metern. Kurz danach folgte die Schleuse Ahsen, auch mit einem Hub von 7,5 Metern. Nach weiteren 6 Kilometern folgte die Schleuse Flaesheim mit einem Hub von 4 Metern. Bei Dorsten wartete Schleuse Nr. 4 auf uns mit einem Hub von 8 Metern. Eigentlich wollten wir in Dorsten übernachten. Aber die beiden Häfen waren besetzt und so blieb uns nichts Weiteres übrig, als weiterzutuckern. Wir fuhren an Gahlen vorbei und nahmen nach ca. 8 Kilometern die letzte Schleuse an diesem Tag in Angriff. Die Schleuse Hünxe hatte einen Hub von 5,5 Metern. Schleusen-Fazit vom heutigen Tag: 5 Schleusen mit einem Gesamthub von 32,5 Meter näher zum Meeresspiegel. Kurz nach der Schleuse hatte es eine Liegestelle für Sportboote. Hier haben wir für die Nacht festgemacht. Beim Abendessen haben wir die Frachtschiffe beobachtet, die in oder aus der Schleuse (24 Std.-Betrieb) fuhren. Und mit der Dunkelheit kamen die verschiedenen Lichtern zu Land oder auf Wasser schön zur Geltung. Es gibt immer etwas zu schauen oder zu bestaunen!
08.10.2018
Wir haben gut geschlafen an unserer Liegestelle. Der Morgen hielt ein schönes Naturschauspiel für uns bereit: Sonnenaufgang mit Nebelspiel auf dem Wasser!
Jetzt galt es noch die letzten 12 Kilometer auf dem Wesel-Datteln-Kanal zu machen. Kurz vor der Einmündung in den Rhein mussten wir noch die Schleuse Friedrichsfeld mit einem Hub von ca. 8 Metern zu bewältigen. Alles ging glatt. Bei Kilometer 813 (Kilometer Null ist bei uns im Bündnerland) hatten wir unseren ersten Rhein-Kontakt. Und da spielt eine ganz andere Musik. Da hat es Verkehr wie auf der A1. Es wird überholt, manchmal muss man rechts kreuzen anstatt links. Und zu allem kommt noch hinzu, dass der Rhein wenig Wasser führt. Das verschmälert natürlich die Breite der Fahrrinne. Also für den Kapitän Markus hiess es, alles im Auge zu haben und aufzupassen. Da wir den Rhein ja runterfuhren, brachte es die Red Snapper auf glatte 18 km/h. Sie ist beinahe ins Gleiten gekommen ;-). Kurz nach Emmerich haben wir die Grenze passiert und befinden uns nun wieder in Holland. In Nijmegen wollten wir eigentlich übernachten. Aber da der Wasserstand tief ist, war uns die Einfahrt in den Hafen nicht ganz geheuer. Unter anderem wurde auch vor Strömung in der Hafeneinfahrt gewarnt. Musste ja nicht sein. Also fuhren wir weiter und entschieden uns, den Rhein früher als geplant zu verlassen. Nach Nijmegen zweigt der Maas-Waal-Kanal (Waal ist der Rhein in Holland) ab. Dies ist ein Umweg, aber ein kurzer und vor allem hat es viel weniger Berufsverkehr. Einziger "Wermutstropfen", wir mussten wieder 2 Schleusen befahren. Aber wir sind ja mittlerweile richtige Profis im Schleusen. Kurz nach der Schleuse Heumen (die 2. Schleuse) sind wir in die Maas eingebogen und fuhren nun talwärts Richtung Westen. Bei Cuijk sind wir in einen kleinen See abgebogen, wo sich der Hafen von Cuijk befand. Der Hafenmeister war nicht mehr anwesend, aber man fand alle Angaben beim Eingang und Couverts, in welche man das Übernachtungsgeld stecken und in den Briefkasten einwerfen konnte. Nach dem Manöver-Trunk gab es nur ein schnell zubereitetes Abendessen und dann auch schon bald Feierabend. Morgen geht es weiter nach Drimmelen. Erinnert ihr euch daran, wo das ist. Das ist kurz nach Raamsdonksveer und hier haben wir offiziell unsere Reise gestartet. Somit schliesst sich morgen der Kreis,. Da wird einem schon etwas schwer ums Herz!
09.10.2018
Oh weh, es geht dem Ende entgegen. Cuijk haben wir auch verlassen - wie so viele Orte vorher - und unsere Reise ging auf der Maas weiter. Wir bewegten uns gegen Westen und haben dabei das wundervolle Herbstwetter mit Sonnenschein und warmen Temperaturen genossen. Auf der Maas zu fahren war so relaxt und idyllisch. Natürlich hat es auch mit dem Fluss als solches zu tun. Der Rhein hat von Natur aus eine grössere Fliessgeschwindigkeit als die Maas und somit bewegt sich alles etwas gemächlicher. Auf jeden Fall haben wir es sehr genossen. Bevor wir Drimmelen erreicht haben, mussten wir nochmals 2 Schleusen bewältigen - die Schleuse bei Grave und die bei Lith. Gegen 17.00 Uhr sind wir dann in Drimmelen eingelaufen und haben uns einen schönen Platz mit Abendsonne im Cockpit ausgesucht. Und mit dieser Abendsonne haben wir auf unsere schöne, unvergessliche und einmalige Reise, die fast genau vor 5 Monaten begonnen hat, angestossen. Wir sind uns bewusst, dass diese Reise halb so eindrücklich gewesen wäre, wenn nicht die gute Wetterfee mit uns gewesen wäre.
10.10.2018
Wir haben ein ruhige Nacht in Drimmelen verbracht. Brauchten wir auch, denn kurz nach dem Morgenessen gingen die ersten Vorbereitungen für die Heimreise los. Es wurde gewaschen, geschrubbt, organisiert und immer wieder über die letzten 5 Monate philosophiert. Und wisst ihr was? Wir schliessen nicht aus, dass dies die einzige Reise gewesen sein soll. Auf jeden Fall bleibt die Red Snapper diesen Winter in Raamsdonksveer bei der Werft Altena. Und nächsten Spätfrühling wird es eine Kurzreise geben, bevor die Red Snapper auf den LKW verladen wird und danach wieder im Murtensee heimische Gewässer berührt.
Liebe Ruth, s'Hu…. hat seine Aufgabe mit Verantwortung und Bravour gelöst!
11.102018
Der letzte Tag unserer 5 monatigen Reise hat begonnen. Wir konnten einen letzten schönen Sonnenaufgang bewundern (siehe Foto links morgens um 7.50 Uhr). Kurz nach 8.00 Uhr haben wir Drimmelen verlassen und sind nach Raamsdonksveer getuckert. Unterwegs fand mein Basilikum noch seinen Frieden in der Maas ;-). Wir haben ihn in Holland gekauft und wir lassen ihn in Holland. Um 09.30 Uhr hatten wir einen Termin mit dem Blachen-Mann. Es muss eine neue Blache her und auch die Polster im Cockpit müssen neu gemacht werden. Und natürlich war auch die Wiedersehensfreude mit den Altena-Leuten (Marcel, Maurice, Renske und Luis) gross. Mit diesen 4 Personen haben/halten wir Kontakt, seit wir im 1996 die erste Altena, eine Family 1200, gekauft hatten. Damals waren noch die Eltern von Marcel und Maurice die Werft-Chefs. Ist schon lange her! Mit Marcel schaute Markus an, was an der Red Snapper "repariert" werden muss. Wir haben 2 kleinere Schäden (eingedrückte Scheuerleiste und Lackschaden). Dazu gibt es noch einige kleinere Anpassungen und natürlich einen Motorenservice. Und danach war ausräumen, einpacken und beladen des Autos angesagt. Noch ein letztes Pic-Nic auf der Red Snapper und schon hiess es Abschied nehmen. Um 14.00 Uhr haben wir die Werft Altena verlassen und sind in Richtung Heimat gefahren. Nach 8 Stunden Fahrt sind wir um 22.00 Uhr in Ipsach angekommen. Als wir dann in die Wohnung eintraten, sagten wir beide: Oh, ist das gross. Oh wie gross ist das Bett. Nach 5 Monaten in einem Wohnraum von etwa 11 x 3,5 Metern kam uns unsere Wohnung plötzlich riesig vor.
Wir hatten 5 wunderschöne und erlebnisreiche Monate und sind stolz, unseren Traum verwirklicht zu haben, Aber es ist doch auch schön, wieder nach Hause zu kommen!
Fazit unserer Reise:
Beginn: 08.05.2018 / Ende: 11.10.2018
Seemeilen 2'700 = 5'000 Kilometer
Motorenstunden 420
Besuchte Länder in der Reihenfolge der Etappen: Holland, Deutschland, Dänemark, Schweden, Dänemark, Deutschland, Polen, Deutschland, Holland
Liebe Familie, Freunde und Bekannte
Vielen herzlichen Dank für eure Unterstützung jeglicher Art in den letzten 5 Monaten . Ohne diese hätten wir unsere Reise nicht in Angriff nehmen können. Viele schönen Erlebnisse wären nicht Wirklichkeit geworden und wir hätten die wunderschönen Naturschauplätze nicht besuchen können. Auch vielen lieben Dank für die positiven Feedbacks betreffend unserer Homepage und die tollen Einträge im Gästebuch.
Der Alltag hat uns wieder, aber wir denken immer wieder zurück zu unserer Reise.
Telefon +41 (0)79 448 08 49 oder +41 (0)79 631 12 45